Sonntag, 31. Mai 2009
Koprophagus
cjamango, 17:48h
NECROPHAGUS (GRAVEYARD OF HORROR, 1971) von Miguel Madrid ist der schlechteste spanische Horrorfilm weit und breit, da gibt's kein Vertun! Vormals als Drehbuchautor bei Elorrieta tätig gewesen, hat Madrid (Pseudonym Michael Skaife) in diesem Film derartig auf die Zauberpauke gehauen, daß einem noch Stunden nach Betrachten die Ohren dröhnen. Da die Handlung des konfusen Filmes nur schwer entwirrbar ist, hier eine detaillierte Betrachtung derselben: Der ehrenwerte Michael Sherrington kehrt auf das Schloß seiner Herkunft zurück, wo nicht nur seine hochschwangere Frau auf ihn warten soll, sondern auch eine sinistre Menagerie von Anverwandten. Die familiären Verflechtungen zu durchschauen, ist mir auch nach wiederholtem Ansehen nicht gelungen. Allein an Frauennamen gibt es Elizabeth, Margaret, Anne, Pamela und Barbara, die einem blitzgeschwind um die Ohren gewirbelt werden - um Namen nicht verlegen, der Skaife! Jedenfalls erweist es sich, daß das Frauchen eine Totgeburt abgeliefert hat, an der sie auch christlich verschieden sein soll. Die Brautmutter und eigentlich auch sonst jeder behandeln den traurigen Michael wie etwas, das die Katze reingetragen hat. Beim Arzt, Dr. Kinberg, trifft er nicht nur den Spaßvogel Inspektor Soundso an, der Zigarettenrauch auf Totenköpfe bläst, sondern wird auch schlichtweg rausgeschmissen: "Come back at 8 o'clock!" Verantwortlich für die schwere Geburt war im übrigen Hausarzt Dr. Lexter - eine neue Zauberrolle für Francisco Brana. Jener nämlich hatte einst mit Michaels verstorbenem Bruder Robert unheilige Experimente durchgeführt, und infolge dieser fristet Robert nunmehr ein Schattendasein als menschenfressender Ghul. Bis zu dieser schockierenden Enthüllung geschehen aber viele tolle Sachen: Michael selber wird (scheinbar) von seinem Bruder verspachtelt. Totengräber Fowles wird gespielt von Victor Israel (der eigentlich José Maria Soler heißt) und löst für sein Leben gern Pappköpfe in einem Bottich mit blubberndem Milchbrei auf. In einer tollen Szene kommt ein merkwürdiger Kauz mit Kinnbart und schwarzer Sonnenbrille aus dem Friedhofstor, einen Totenschädel unterm Arm. ("Got something to wrap her?") Victor redet ihn als Mr. Skaife an; vermutlich also ein Gastauftritt des Regisseurs! Der tote Robert kommt jedesmal aus einem Grabhügel hervorgekraucht, wird also scheinbar nach jedem Raubzug wieder eingegraben. Alle bösen Figuren, die sich auf dem geschäftigen Familienfriedhof herumtreiben, tragen billige Gruselmasken. Es gibt zahlreiche megakitschige (und megaschlechte) Rückblenden zu verdauen, die andeuten, daß auch die beiden anderen Töchter der Brautmama geile Schlampen gewesen sind, die den Bräutigam ihrer Schwester gut bekocht haben. Am Schluß kommt der ständig herumpfeifende Inspektor zu seinem Showdown mit der Gruselmumie, die man hier das erste Mal richtig zu sehen bekommt, und Robert ist ein echter Brüller - 3 Meter Zähne, die wirklich niemandem wehtun können. Bemerkenswert ist die unglaublich ungeschickte Inszenierung, die vor Fehlern wimmelt: So schippt Michael bei einer Privatexhumierung die Erde direkt in die Kamera, obwohl sie sich ungefähr in Gesichtshöhe befindet, was den Schluß zuläßt, daß er sie irgendwo in die Luft schaufelt. Die Regie ist ausgesprochen verliebt in subjektive Einstellungen, die auch schon mal auf Schneehaufen ausruhen und dem Zuschauer Momente intensiver Besinnlichkeit bescheren. Der Schnitt ist unübersichtlich wie nur sonst was. Ineffizient, ineffizient, ineffizient! Israel hat eine Superrolle; er sieht aus wie ein Buckliger ohne Buckel und trägt eine kackbraune Lederjacke aus dem Pfandhaus. Als Michaels Nichte Margaret hat die bereits erwähnte Beatriz Elorrieta ihre vermeintlich erste Rolle. Die Filmmusik besteht aus andauerndem Orgelgenorgel. Das Leitmotiv entspricht der Zeile eines alten Weihnachtsliedes, die da lautet: "Glocken mit heiligem Kla-hang, klingen die Erde entlang!" Welches Lied ist das? Mal sehen, wer von Euch immer schön brav mitsingt. Wir singen immer "Süßer die Glocken nie klingen", und unterm Weihnachtsbaum liegen dann Filme wie dieser hier, denn alle sind übers Jahr hinweg reichlich unartig gewesen! Also: Wer richtige Trashgranaten sucht, ist mit diesem Film bestens bedient. Nekrophage - eine Plage, ohne Frage.
Ob José Luis Madrid mit besagtem "Michael Skaife" verschwistert, verschwägert, verwandt ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Außer den zwei hier besprochenen Horrorfilmen kenne ich von ihm nur noch zwei unterdurchschnittliche Western, namentlich WER KENNT JOHNNY R.? und DIE GANZE MEUTE GEGEN MICH. Letzterer hat immerhin ein tolles Titellied, das u.a. verkündet: "A man must fight/To bring justice back to the land". Kämpfen mußte auch Waldemar Wohlfahrt, der Hauptdarsteller von EL VAMPIRO DE LA AUTOPISTA (DER VAMPIR VON SCHLOSS FRANKENSTEIN/THE HORRIBLE SEXY VAMPIRE, 1970), denn er wurde Ende der 60er verdächtigt, ein finsterer Mörder zu sein, der... In AUTOPISTA kann man ihm nur zur Last legen, daß er als Vampirgraf von Winninger eine grausige Perücke zum besten trägt. Dieser zeichnet verantwortlich für eine Kette geheimnisvoller Morde, die in der Peripherie von Stuttgart stattfinden, wo auch sein Schlößle liegt. (Die können mir erzählen, was sie wollen: Crippled Dick haben da irgendwie ihre Hände mit im Spiel!) Von kalten Händen gemetzelte Weibchen, die sich alle (in nahezu identischen Szenen) kurz vor der großen Reise nochmal entblättert haben (das ist der gute Teil des Filmes!), geben Kommissar Luis Induni ein Rätsel auf. Nicht er wird diesen Fall aber lösen, denn er muß schon nach verwirrend kurzer Zeit ins Gras beißen, sondern sein Nachfolger, der auch Waldemars Nachfahren Adolf kennenlernt, der albineske Haare zur Schau stellt. Adolf will beweisen, daß die Legenden, die sich ums Familienschloß ranken, nur alter Humbug sind. Dabei geraten er und seine Prachtmieze Patricia Loran (im haartechnischen Partnerlook) in arge Schwulitäten. Der Film ist ziemlich grausam und reiht mehr oder weniger beziehungslos den Kriminalteil und die Morde aneinander. (Bei letzteren ist der Mörder mal unsichtbar, mal sichtbar.) Weder der noch die Wohlfahrt können den Film vorm schicksalshaften Abbleiern bewahren. Das einzige, was das Auge verwöhnt, sind die nackten Miezis. Und dann vielleicht noch Waldemars tolle Fellweste, die ist schon chefig. Das war's dann aber auch. Ein bißchen gelungener ist Madrids italienisch ko-produzierter JACK EL DESTRIPADOR DE LONDRES/SETTE CADAVERI PER SCOTLAND YARD, bei der der berühmte Scot Landyard den grausamen Taten von Jack dem Ripper nachspürt. ...
Ob José Luis Madrid mit besagtem "Michael Skaife" verschwistert, verschwägert, verwandt ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Außer den zwei hier besprochenen Horrorfilmen kenne ich von ihm nur noch zwei unterdurchschnittliche Western, namentlich WER KENNT JOHNNY R.? und DIE GANZE MEUTE GEGEN MICH. Letzterer hat immerhin ein tolles Titellied, das u.a. verkündet: "A man must fight/To bring justice back to the land". Kämpfen mußte auch Waldemar Wohlfahrt, der Hauptdarsteller von EL VAMPIRO DE LA AUTOPISTA (DER VAMPIR VON SCHLOSS FRANKENSTEIN/THE HORRIBLE SEXY VAMPIRE, 1970), denn er wurde Ende der 60er verdächtigt, ein finsterer Mörder zu sein, der... In AUTOPISTA kann man ihm nur zur Last legen, daß er als Vampirgraf von Winninger eine grausige Perücke zum besten trägt. Dieser zeichnet verantwortlich für eine Kette geheimnisvoller Morde, die in der Peripherie von Stuttgart stattfinden, wo auch sein Schlößle liegt. (Die können mir erzählen, was sie wollen: Crippled Dick haben da irgendwie ihre Hände mit im Spiel!) Von kalten Händen gemetzelte Weibchen, die sich alle (in nahezu identischen Szenen) kurz vor der großen Reise nochmal entblättert haben (das ist der gute Teil des Filmes!), geben Kommissar Luis Induni ein Rätsel auf. Nicht er wird diesen Fall aber lösen, denn er muß schon nach verwirrend kurzer Zeit ins Gras beißen, sondern sein Nachfolger, der auch Waldemars Nachfahren Adolf kennenlernt, der albineske Haare zur Schau stellt. Adolf will beweisen, daß die Legenden, die sich ums Familienschloß ranken, nur alter Humbug sind. Dabei geraten er und seine Prachtmieze Patricia Loran (im haartechnischen Partnerlook) in arge Schwulitäten. Der Film ist ziemlich grausam und reiht mehr oder weniger beziehungslos den Kriminalteil und die Morde aneinander. (Bei letzteren ist der Mörder mal unsichtbar, mal sichtbar.) Weder der noch die Wohlfahrt können den Film vorm schicksalshaften Abbleiern bewahren. Das einzige, was das Auge verwöhnt, sind die nackten Miezis. Und dann vielleicht noch Waldemars tolle Fellweste, die ist schon chefig. Das war's dann aber auch. Ein bißchen gelungener ist Madrids italienisch ko-produzierter JACK EL DESTRIPADOR DE LONDRES/SETTE CADAVERI PER SCOTLAND YARD, bei der der berühmte Scot Landyard den grausamen Taten von Jack dem Ripper nachspürt. ...